„ES IST ZEIT FÜR DIE SCHEIDUNG.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte langes Schweigen, dann ein ersticktes, unterdrücktes Lachen. „Nein. Oh Gott, nein! Das war nicht für dich. Das war für Sarah. Meine Geschäftspartnerin Sarah! Ihr Mann ist gerade ausgezogen, und ich habe ihr eine Scherztorte bestellt.“
Ich sank auf die Couch, die Erleichterung überkam mich so vollständig, dass mir schwindlig wurde.
Thomas fuhr fort, seine Stimme nun etwas gefasster. „Ich habe zwei Kuchen beim selben Laden und demselben Lieferdienst bestellt. Der eine war für dich – ein klassischer Red Velvet Cake mit der Aufschrift ‚Alles Gute zum ersten Jahrestag, mein Schatz‘. Der andere war für Sarah, ein Schokoladenkuchen mit der Scherzbotschaft. Der Kurier muss sie verwechselt haben.“
„Aber… die Dringlichkeitssitzung?“, fragte ich und blickte auf mein perfektes Kleid hinunter.
„Es gibt kein Krisentreffen. Ich bin gerade am Flughafen und steige gleich ins Flugzeug nach Miami. Ich wollte dich mit einem verlängerten Wochenende überraschen. Ich hatte sogar ein wunderschönes Hotel am Strand gebucht. Ich hatte alles so geplant, Anna. Und jetzt … jetzt muss ich erst mal herausfinden, wie ich zu dir und dann zum Flughafen komme, um unseren Flug zu erwischen, damit wir endlich richtig feiern können.“
Ich betrachtete den Kuchen auf der Küchentheke. Die grausame Botschaft wirkte nun absurd komisch. Sie war ein Zeugnis unseres chaotischen, albernen und wundervollen ersten gemeinsamen Jahres.
„Keine Sorge“, sagte ich, und mir entfuhr endlich ein Lachen. „Komm einfach gut nach Hause.“
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